Folge 34: Markenwirkung im Video: Was KI kann – und was nicht

24.08.2026 | Vom Hype zum Handeln

Videos mit KI erstellen: Was so simpel klingt, erfordert in der Praxis viel Arbeit – auch wenn es dank KI viele Helferlein gibt, um in Eigenregie hochwertige Videos zu erstellen. Vor allem jedoch steht am Anfang jeder erfolgreichen Kommunikation eine entscheidende Weichenstellung: Wie kann das Marketingziel erreicht und die gewünschte Wirkung erzielt werden?

Und genau dort trennt sich die KI-Spreu vom wirklichen Weizen, der auf das Ziel fokussiert.

Fakt ist: Die Produktion wird günstiger, der Zugang barriereärmer. Aber das vermeintliche Versprechen: Einfachheit und oder mehr Effizienz beim Erstellen von Videos mit KI – stimmt das wirklich?

Darüber spreche ich mit Felix Gorbach – der als Dozent die nächste Generation von Video-Produzenten ausbildet. Felix ist seit 20 Jahren in Medienbranche tätig, vielseitiger Künstler und Gründer der Blue Box Digital Video (2006).

Was macht den Unterschied zwischen Wunsch und Wirkung aus? Was macht gezielte Kommunikation im KI-Zeitalter aus? 

KI-Demo: Zwischen Verlockung und Funktion

Keine Frage, KI hat Türen geöffnet und baut Barrieren ab.
Was einst tagelang an Schnitt und Nachbearbeitung brauchte, lässt sich heute mit professionellen Tools und Wissen vielefach rascher realisieren. So entstehen Texte, Bilder und auch Videoanimationen oft von Menschen, die kein oder wenig Marketing- oder Produktionswissen mitbringen.

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Felix verrät, was es für Wirkung wirklich braucht:

Die Rolle der Vorbereitung – das unsichtbare Drittel

Erfahrung in der Medienbranche zeigt: Das eigentliche Herz der Videoproduktion schlägt vor dem Dreh. Besonders, wenn es um Unternehmensidentität geht. Statt alles dem Zufall oder einer KI-Vorlage zu überlassen, investieren Profis ein Drittel der Gesamtzeit in strategische Fragen: Welche Botschaft steht im Zentrum? Welcher Nutzen soll transportiert werden? Und vor allem – wie kann die Zielgruppe am emotionalen Punkt abgeholt werden?

Ob klassisch oder mit KI produziert: Wer Wirkung will, muss liefern können, bevor das erste Bild entsteht. Die Vorarbeit bestimmt nicht nur die Richtung, sondern auch die Glaubwürdigkeit und Echtheit des Films. Gut geführte Marken setzen hier auf Werkzeuge wie das Markensteuerrad – es verankert Nutzen, Attribute, Tonalität und Bildsprache und schafft einen klaren Kompass für alles, was folgt.

Wo KI glänzt, und wo nicht

Markenführung und Storytelling – Menschen gefragt

Nehmen wir zwei Beispiele: Eine Friseurin startet mit voller Leidenschaft in die Selbstständigkeit, ein Buchhalter positioniert sich am Markt. Beide könnten die KI bitten, Social-Media-Videos zu erstellen. Ohne strategischen Input entstehen austauschbare Clips – beliebig und flüchtig.

Erst durch echte Geschichten und emotionale Anker, die bei echten Menschen zünden, wird ein Video zum Markenbotschafter. Emotionen und Motive sind zutiefst menschlich. KI kann mithelfen, eine Story nach einer Experten-Vorlage zu modellieren. Aber welcher Funke zündet – das bleibt eine menschliche und eine Expert:innen-Entscheidung.

Ein Beispiel aus Felix’ Praxis zeigt das deutlich: Die Vorbereitung ist alles, der Prozess deshalb entscheidend. 180 Stunden Vorbereitung für einen einzigen Jubiläumsfilm – nicht, um schöne Bilder zu komponieren, sondern um die Basis zu legen: Markenidentität fühlbar zu machen. Das unterscheidet beliebigen Video- und sonstigen Content von zielgerichteter Markenwirkung.

Social Media – Miniclips, Frequenz und das Spiel mit der Wiederholung

Die Zeit der großen Imagefilme ist – zumindest auf Social Media – vorbei. Was zählt, sind Miniclips und Wiedererkennungswert. Und genau hier spielt KI eine ihrer Stärken aus.

  • Clips lassen sich mit KI schneller anpassen und in Serie veröffentlichen. Wichtig bleibt, dass ein Redaktionsplan die Kontinuität sichert und regelmäßig analysiert wird, welche Inhalte wirklich Resonanz erzeugen.
  • KI kann helfen, Trends auszuwerten und die Performance zu messen. Doch das Gespür für die eigene Zielgruppe bleibt durch Algorithmen schwer ersetzbar.

Der Trick dabei: nicht einfach Masse produzieren, sondern aus jedem einzelnen Clip lernen. Jeder Clip ist ein Lern-Experiment. Erst die konsequente Auswertung – von der Formulierung bis zur Typografie, vom Sound bis zum eingesetzten KI-Modell – führt schrittweise zum tiefen Verständnis der eigenen Community.

Kann KI kreativ sein? Muster statt Magie

Große Modelle wie ChatGPT oder Gemini sind hervorragend darin, vorhandene Muster zu kombinieren. In der kreativen Praxis ist das ein zweischneidiges Schwert: Wer außergewöhnliche Markenkommunikation will, muss liefern, was niemand erwartet hat. KI kann inspirieren, Fragmente neu zusammensetzen und sogar ein Stück weit überraschen – doch gelingt es ihr, tatsächlich Neues zu schaffen? Gerade im Video mit KI bleibt echte Innovation nach wie vor menschlich.

Der Unterschied zwischen Substanz und promptgetriebenem Output zeigt sich spätestens dann, wenn Wirkung gefragt ist. Kreativität ist kein Algorithmus, der passende Elemente nach Wahrscheinlichkeitsrechnung zusammenfügt. Sie braucht so etwas wie kreative Reibung, Rückfragen und das aktive Durcharbeiten bis zur unerwarteten Lösung.

Was KI im Videoprozess wirklich leisten kann: So hat es Felix in seiner Ausstellung umgesetzt

Ein Ausstellungsprojekt von Felix Gorbach zum Thema Radikalisierung im Netz bringt es auf den Punkt:

  1. Recherche, konzeptionelle Tiefe und die Gestaltung von Gegenerzählungen waren entscheidend, um dem Publikum einen nachhaltigen Erkenntnisgewinn zu bieten.
  2. KI steuerte Charaktermodelle und Szenen bei. Die finale Botschaft und deren Glaubwürdigkeit gingen aber erst durch intensive menschliche Kontrolle und inhaltliche Korrektur ans Ziel.

Das zeigt wieder: Ein „Video mit KI“ zu erstellen ist meist der letzte Schritt. Und nur so stark wie das vom Menschen ersonnene Konzept und die Zielsetzung dahinter.

Mehr Substanz und Klasse, weniger Masse

KI revolutioniert die Produktion von Text, Bild und Video – zumindest zum Teil. Was sie nicht revolutioniert: die Zielsetzung und die Wirkung. Markenaufbau und Kommunikation brauchen Entwicklungen, die über einfache Vorgaben hinausgehen.

Wer Wirkung erzielen möchte, muss sich der Unsichtbarkeit der eigentlichen Arbeit bewusst sein: Ein Drittel der Zeit gehört der Vorbereitung, dem Nachbohren, dem Suchen nach Substanz.

KI liefert in Teilen Effizienz und Tempo, aber Kreativität bleibt das Territorium der Menschen. Wer diesen Weg geht, wird mit Videos überzeugen, die nicht nur glänzen, sondern prägen.

Takeaways für die Praxis 

  1. Die Wirkung entscheidet sich vor dem Dreh. Bevor Kamera oder Tool zum Einsatz kommen, muss klar sein, wen du erreichen willst und was die Person danach denken, fühlen oder tun soll.
  2. Ein Drittel der Zeit gehört der Vorbereitung. Was unsichtbar bleibt, entscheidet über Glaubwürdigkeit – bei 180 Stunden für einen Jubiläumsfilm genauso wie beim 20-Sekunden-Clip.
  3. Das Markensteuerrad gibt den Kompass. Nutzen, Attribute, Tonalität und Bildsprache einmal sauber festhalten – danach lässt sich jede Produktion daran ausrichten.
  4. Erzähle den Nutzen, nicht die Dienstleistung. Die Friseurin verkauft Selbstwert, der Buchhalter Planungssicherheit. Aus diesem Nutzen entsteht der Hook, nicht aus der Leistungsbeschreibung.
  5. Social Media braucht Miniclips und einen Redaktionsplan. Nicht ein großer Imagefilm wirkt, sondern Frequenz und Wiedererkennbarkeit über viele kleine Formate.
  6. Jeder Clip ist ein Lern-Experiment. Formulierung, Typografie, Sound, eingesetztes Modell: Wer konsequent auswertet, lernt seine Community wirklich kennen.
  7. KI erkennt Muster – Neues bleibt menschlich. Für die Annäherung, Recherche und Analyse ist KI stark. Positionierung, Qualitätsurteil und die Frage „passt das zu mir?“ bleiben deine Entscheidung.
Hier geht es zum Bericht über Felix’ Ausstellung zu Radikalisierung im Netz und zu seiner Website.

Gesprächspartner

Über Felix Gorbach: Medienschaffender, Gründer von BLUEBOX Digital Video

Felix Gorbach ist seit rund 20 Jahren in der Medienbranche zuhause und führt die Innsbrucker Videofirma BLUEBOX Digital Video.

Er begleitet Unternehmen über den gesamten Kommunikationsprozess: von der Marktrecherche über Konzeption und Storytelling bis zur fertigen Produktion – vom Imagefilm bis zur Social-Media-Kampagne mit Bewegtbild. Sein Zugang ist konsequent strategisch: Erst wenn Markennutzen, Tonalität und Zielgruppe geklärt sind, wird produziert.

Daneben gibt er sein Wissen an der Werbe-Designakademie weiter und ist in der Fachvertretung der Film- und Musikindustrie der Wirtschaftskammer aktiv.

Wie weit KI in der Gestaltung tatsächlich trägt, hat er zuletzt im Stadtmuseum Hall ausgelotet: Für eine Rauminszenierung zum Thema Radikalisierung im Netz waren sämtliche Medien KI-generiert – der wesentliche Teil jedoch: Recherche, Auseinandersetzung mit Quellen dagegen penibel von Expert:innen und Menschen geprüft und für gut befunden.

ÜBER DEN PODCAST

Host in Folge 34 ist Petra Liebl, Expertin für digitales Marketing mit KI und langjährige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Marketing.

Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.

Erfolgreiches Marketing beginnt nicht bei der KI, sondern bei deinen Stärken, deiner Tonalität und deiner Zielgruppe.
Deshalb hat Petra FELIX entwickelt: ein KI-Marketing-System für KMUs und Einzelunternehmer, das markentreue Texte und Social-Media-Posts liefert – ganz ohne KI-Vorwissen.

Mehrere Prompts sind als Workflow zB in Assistenten integriert. Diese Assistenten liefern ‚automatisch‘ – also ohne zusätzliches Prompting – fertige Ergebnisse für bestimmte Aufgaben.


 
 

Petra LIEBL – Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.

„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“

Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen wir in weiteren Folgen noch tiefer in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.

In „Vom Hype zum Handeln“ 

  • beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
  • teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
  • bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
  • stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor
  • besprechen wir KI-Entwicklungen

Deine Gastgeberin

  • Petra LIEBL  – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
    Content Bakery