Folge 30: KI-Bildgenerierung und Markenwirkung

15.06.2026 | Vom Hype zum Handeln

2025 und 2026 haben uns zig KI-Bildgenerierungstrends ereilt: Comics, Action-Figuren in Blister-Verpackung. Die Anime-Version, Lego-Männchen – denn mit wenigen Klicks entsteht heute, wofür es früher Photoshop-Kenntnisse und ein geschultes Auge gebraucht hätte.

Erster Reflex: „Großartig!“ Plötzlich kann jede:r Bilder erzeugen, die cool aussehen.

Aber genau hier liegt der Haken: Cool ist noch lange nicht *gut*. Ein Bild zu generieren ist eine Sache – es professionell, im richtigen Stil und mit einer klaren Botschaft für deine Marke einzusetzen, ist eine ganz andere.

Aufmerksamkeit ist nicht dasselbe wie Markenwirkung

Darüber spreche ich mit Désirée Ossanna-Arzic, Designerin, Expertin für visuelle Kommunikation und Jurorin der AI Design Awards.

Der eigentliche Hebel liegt woanders. So viel vorweg: Das fertige Bild ist ein kleiner Teil eines viel größeren kreativen Prozesses.

Désirée bringt es auf den Punkt:

👉 Gerade für regionale, qualitätsorientierte Unternehmen zählt nicht die große Klickzahl.

👉 Sondern, dass die richtigen Leute mit der richtigen Botschaft erreicht werden.

Und das ist eben selten der nächste virale Trend, den ohnehin gerade alle mitmachen.

Kurz gesagt:  Mitlaufen, weil’s gerade alle tun, ist im Privaten ein netter Spaß. Im professionellen Kontext bringt es deiner Marke meist wenig.

JETZT REINHÖREN in Folge 30 >> mit Désirée Ossanna-Arzic

 

Warum KI „Einheitslook“ produziert, der Marken nicht guttut

Ein wesentlicher Punkt, den viele übersehen: Bildgeneratoren sind nicht neutral – und sie kennen dein Corporate Design nicht.

Jedes Tool bringt seinen eigenen Stil mit – und je weniger du an Vorgaben mitlieferst, desto stärker tritt dieser Stil hervor.

Die aktuellen ChatGPT-Flyer erkennt man heute auf den ersten Blick. Und dieser KI-Einheitslook zahlt nunmal nicht auf deine Corporate Identity ein – eher im Gegenteil.

Was für einen kleinen Verein oder eine gemeinnützige Aktion völlig in Ordnung geht: schnell ein ansprechendes Poster, fertig. Oftmals wird das sogar besser, als wenn früher Laien ohne Kenntnisse mühsam selbst herumgebastelt haben. Aber für ein Unternehmen, das sich professionell präsentieren und vom Mitbewerb abheben möchte, wird fehlende Unverwechselbarkeit dagegen schnell zum Risiko.

Désirée erklärt: „Es geht auch umgekehrt. Wer bisher mit austauschbaren Stockbildern gearbeitet hat, kann sich heute – zusammen mit einem/einer Experten/in – seine eigene, zur Marke passende Bildwelt aufbauen.“

Das Briefing schlägt den Prompt – jedes Mal

Damit sind wir beim Kern: Gutes Design beginnt nicht beim KI-generierten Bild, sondern wesentlich früher – und umfassender – beim Briefing.

Wer mit KI arbeitet, sollte sich deshalb fragen: Wie sieht mein perfektes Briefing aus? Hinein gehört alles, was du auch einer Fotografin oder einem Fotografen mitgeben würdest:

  • Tonalität der Marke – wie sollen die Bilder wirken?
  • Licht & Stimmung – gedämpft oder klar, warm oder kühl?
  • Bildaufbau – zwei, drei Personen statt großer Gruppen, leichte Tiefenunschärfe

Und weitere fotografische Details, die den Unterschied machen.

Entscheidend ist dabei die Reproduzierbarkeit. Wenn du der KI nur mitgibst „mach daraus ein Winterbild“, weißt du nicht, welche Einstellungen sie im Hintergrund getroffen hat – beim nächsten Mal sieht das Ergebnis schon wieder anders aus. Definierst du Licht, Stimmung und Stil dagegen sauber, kannst du den Look gezielt wieder abrufen, konsistent über deine gesamte Kommunikation.


Oder, wie Désirée es formuliert – gleich wie bei sonstigen Anfragen an KI-Tools, gilt auch für Bilder:

👉 Der Output ist nur so gut wie der Input.

👉 Die Annahme, ein KI-Tool erledige „den Rest“ schon von allein, reicht naturgemäß weder bei Bild noch bei Text…

KI als ein Werkzeug sehen, nicht als Ersatz für alles

KI-Tools gibt es zu hunderten und sollten im professionellen Kontext als spezialisierte Werkzeuge betrachtet werden – nicht als Ersatz für Designer, Texter oder Programmierer.

Im Bilderkontext werden verschiedene Tools verwendet, zB Photoshop kombiniert mit echten Fotos, die ein:e Fotograf:in gemacht hat. Gerade für Bildideen, die früher nur aufwendig mit CGI oder 3D umsetzbar waren, bietet KI ideale Visualisierungsmöglichkeiten.

Und nebenbei: Vieles, was wir heute „KI“ nennen, steckt längst in Canva oder in der Füllen-Funktion von Photoshop etc. – der Übergang von Algorithmus zu KI verläuft fließend.

Das heißt für dich:

👉 Such nicht das eine Tool, das alles kann.
👉 Es gibt die passende Kombination für deine Aufgabe
– Midjourney etwa ist stark für Moodboards, Stimmungen und Stile.

Für spezifische Darstellungen benötigt man auch andere Werkzeuge.

 

Am Ende geht nicht um einzelne Bilder – sondern deine Marke

Wenn wir ehrlich sind: Über Bilder oder Texte zu sprechen, greift zu kurz. Eigentlich sollten wir über Marken sprechen.

Denn KI-Output nutzt sich ab. Je mehr Menschen dieselben Tools mit denselben Standard-Vorgaben füttern, desto austauschbarer wird das Ergebnis. Was dann wirklich zählt, ist das Unternehmen: seine Persönlichkeit, seine Werte – und die Menschen dahinter.

Ein Unternehmen, das sein Design mit einem/einer Expert/in erarbeitet, gewinnt auch an Urteilsvermögen und Kompetenz, was die Wirkung des eigenen Designs ausmacht.

Damit bekommen KI-Tools automatisch die Rolle, die ihnen zusteht: Ein Werkzeug, das mit entsprechendem Know-How für bestimmte Aufgaben eingesetzt wird – und im Rahmen des Coporate Designs gezielt gesteuert wird.

Genau deshalb gewinnt durchdachtes Corporate Design im KI-Zeitalter an Bedeutung, nicht weniger. Wer seine Marke versteht und eine eigene Bildsprache definiert hat, macht sich nicht abhängig vom perfekten Prompt oder dem nächsten Tool-Update.“
Désirée Ossanna-Arzic, Designerin und Jurorin der AI Design Awards

 

Takeaways für die Praxis 

Deine 3 Schritte: vom KI-Bild zum Marken-Design

Du möchtest KI-Bilder nutzen, aber markenstark statt beliebig? Dann arbeite dich vom Bild zum Design – in drei Schritten:

1. Orientieren & dein Auge schulen.
Das erste KI-Bild beeindruckt. Beim zehnten erkennst du: Sie ähneln sich alle. Genau dieser Aha-Moment ist der wichtige erste Schritt.

2.  Mit deiner Kreativ-Person zusammensetzen.

Geht eure Guidelines durch und schaut, was bisher funktioniert hat. Bei gelungenen Fotoshootings lohnt die Frage: Was hat überzeugt, was passt zur Marke? Daraus ergeben sich die Standbeine deines Konzepts fast von selbst – ruhige Atmosphäre, gedämpftes Licht, zwei bis drei Personen, leichte Tiefenunschärfe.

3. Gesamtkonzept denken.
 Logovarianten, CI-Farben, Layouts, Headlines – bis hin zum Papier. (Ja, ein ungestrichenes Naturpapier macht selbst auf einem digital generierten Mockup einen spürbaren Unterschied.)

Über Désirée Ossanna-Arzic

Désirée Ossanna-Arzic ist seit über 15 Jahren Grafikdesignerin und beschäftigt sich mit voller Leidenschaft mit KI in der visuellen Kommunikation. Ihr Motto: „Umsetzen, vermitteln, anwenden.“ Désirée vermittelt Wissen in Workshops für Kreative oder entwickelt KI-Strategien für Unternehmen.

Sie ist Jurorin bei den AI Design Awards in Barcelona und wurde Anfang 2025 selbst für ein vollständig KI-gestütztes Musikvideo als bestes emotionales Video ausgezeichnet. In ihren Workshops verbindet sie spielerischen Einstieg mit professioneller Konzeption – und sie organisiert offene KI-Treffs in Tirol sowie eigene Events im Raum Kufstein.

ÜBER DEN PODCAST

Host in Folge 30 ist Petra Liebl, Expertin für digitales Marketing mit KI und langjährige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Marketing.

Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.

Erfolgreiches Marketing beginnt nicht bei der KI, sondern bei deinen Stärken, deiner Tonalität und deiner Zielgruppe.
Deshalb hat Petra FELIX entwickelt: ein KI-Marketing-System für KMUs und Einzelunternehmer, das markentreue Texte und Social-Media-Posts liefert – ganz ohne KI-Vorwissen.

Mehrere Prompts sind als Workflow zB in Assistenten integriert. Diese Assistenten liefern ‚automatisch‘ – also ohne zusätzliches Prompting – fertige Ergebnisse für bestimmte Aufgaben.


Petra LIEBL – Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.

„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“

Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen wir in weiteren Folgen noch tiefer in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.

In „Vom Hype zum Handeln“ 

  • beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
  • teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
  • bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
  • stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor
  • besprechen wir KI-Entwicklungen

Deine Gastgeberin

  • Petra LIEBL  – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
    Content Bakery